MABON - RITUALFEIER FÜR FRAUEN

Prospekt vom 22. September 2017

Andere Namen für Mabon sind Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche oder auch Erntedankfest.

Während sich die Frühlingstagundnachtgleiche eher auf die Fruchtbarkeit des Bodens konzentriert, ist es bei der Herbsttagundnachtgleiche eher die Konzentration auf die "geistige Fruchtbarkeit". Das liegt in dem Lebens- und Arbeitszyklus unserer Vorfahren begründet, die im Frühling und Sommer täglich schwere Arbeit verrichten mussten, wogegen sie sich im Herbst und Winter mit handwerklichen Arbeiten, Gesprächen über das vergangene Halbjahr beschäftigen konnten und der eine oder andere gute Gedanke für die Zukunft aufkeimte.

Die Kräfte der Sonne und der Dunkelheit haben jetzt einen Gleichstand erreicht, die Dunkelheit übernimmt wieder langsam und stetig die Oberhand. Die Ernte ist vollbracht, das Korn wurde eingefahren und die Speicher sind wieder gefüllt. Als letztes werden die Herbstfrüchte geerntet, Pilze und Nüsse, viele Früchte. Die Bäume strahlen mit ihrer Pracht von roten und gelben Blättern.

Es werden Dankopfer dargebracht an den Gott und die Göttin, die zu Ostara diese Frucht ermöglicht haben. Es ist die Zeit der Ruhe und der Freude. Die Menschen wissen, bald kommt wieder der Winter, die Dunkelheit und die Kälte. Es ist also wichtig, dass die Speicher gefüllt sind und so die Kältezeit gut zu überstehen ist. Es ist die Zeit des Abschieds, Abschied vom Sonnenlicht, Abschied von der Pracht. Bald beginnt ein neuer Kreis.

Gleichzeitig ist es ein Fest der Fülle, der Farben und der Fröhlichkeit. Musik und Tanz gehören ebenso dazu, wie ein wunderbares Festmahl aus frischen Früchten, Getreide und Nüssen. Auch das Teilen gehört zum Erntedank. Was wir zuviel haben, geben wir anderen, die nicht so viel davon haben. Für uns persönlich ist das Erntedankfest eine gute Gelegenheit um inne zu halten, zur Ruhe zu kommen und um das vergangene Jahr rückblickend zu betrachten. Wir dürfen für alles danken, was uns im vergangenen Jahr geschenkt wurde. Wir danken uns selbst für alles, was wir gearbeitet und geleistet haben. Wir müssen auch für den Winter vorsorgen – uns von Belastendem trennen und allem wirklich Notwendigen Bedeutung geben. Es ist die Zeit, die wir zuhause vorm wärmenden Feuer mit einer Tasse Tee verbringen. Es ist die Zeit, in der wir Nachdenken, miteinander Reden, zur Ruhe kommen und ganz in unser Inneres schauen.

  • Wie ist meine persönliche Ernte heuer ausgefallen?
  • Welche Samen habe ich gesät und genährt und welche „Lebens–Früchte“ durfte ich ernten?
  • Wie erreiche ich einen Ausgleich zwischen Nehmen und Geben?
  • Wie kann ich dem Rhythmus der Natur folgen?
  • Wo muss ich Bilanz ziehen? Was möchte ich in meinem Leben weiterführen, wovon muss ich mich verabschieden und trennen.

Im September erfolgt der Wechsel vom Jungfrauzeichen in das Waagezeichen. Die Jungfrau gehört zu den Erdzeichen , mit den Planeten Merkur und Chiron. Da geht es um Erdverbundenheit, Gesundheitsbewusstsein sowie um einen ausgeprägten Ordnungssinn. Zur Herbsttagundnachtgleiche tritt die Sonne in das Sternzeichen Waage. Jetzt befinden wir uns im Zeichen der Harmonie und des Gleichgewichts. Es folgt die Zeit des Abwägens und Einordnens – des genauen Prüfens, was im Leben wichtig ist. Die Waage ist ein Luftzeichen – in ihr herrscht der Planet Venus. Viele Waagegeborenen sind bemüht, möglichst harmonisch und ausgeglichen, in besonderer Schönheit zu leben.
Der tiefere Sinn dieses angestrebten Gleichgewichtes besteht vielleicht darin, neben den schönen Seiten, auch die dunklen Seiten der Menschen zu akzeptieren. Ein wirklich schöner Mensch hat Tiefe. Und diese Tiefe umfasst auch die dunklen Seiten der menschlichen Seele. Im Waagezeichen geht es aber auch um die Fähigkeit, sich in die Bedürfnisse von anderen hineinzudenken und einzufühlen. Es geht um Verständnis für andere Menschen, um ein Gleichgewicht der Kräfte und um Toleranz.

Mabon, Mabonad oder Mabonadh hat seinen Namen nach dem keltischen Sonnenkönig Mabon. Sein Name ist walisisch und bedeutet "grosser Sohn". Er war der Sohn der Madron oder Mordon (Erdmutter). Mabon tritt in der ersten Hälfte des Jahres hell und strahlend auf, und in der zweiten Hälfte des Jahres siecht er dahin, bis er zu Mabonad stirbt.

Mabon, der Sohn des Lichts, verschwand der Legende nach, als er nur drei Nächte alt war. Seine Mutter, die Erde, befand sich in bittersüssem Leiden. Obwohl niemand wusste, wohin Mabon verschwunden war, wurde er schliesslich von den am längsten auf der Erde lebenden Tieren, der Amsel, dem Hirsch, der Eule, dem Adler und dem Lachs, befreit. Sie fanden Mabon in der Anderswelt, bzw. der Bauchhöhle der Mutter Erde. Dies ist ein verzauberter Ort, und auch ein Ort der Herausforderungen. Und nur an solch einem Ort konnte der Sohn der Erde wiedergeboren werden und zwar als der Sohn des Lichts. Das Licht des Mabon wurde so auf die Erde gebracht. Diese Legende ähnelt der vom griechischen Dionysos, der in die Unterwelt hinabsteigt und wiedergeboren wird. Auch die Mysterien des Dionysos wurden im Herbst gefeiert.

Aus Mabonad macht die Kirche ein ausschliessliches Erntedankfest, welches am 29. September oder am ersten Sonntag im Oktober stattfindet. Aus dem Herbstreigen wurde die Kirchweih oder Kirchmess, aus der schliesslich in Form der dörflichen Kirmes das alte Brauchtum weitgehend verschwunden ist. Als weiteren Ersatz schuf die Kirche am 29. September das Fest für den Erzengel Michael.

Eine vergleichbare Geschichte, wie die von Mabon, wird im Griechischen erzählt. Es ist die Geschichte von Demeter und ihrer Tochter Persephone. Demeters Tochter Persephone wurde von Hades geraubt und in die Unterwelt entführt, da er keine Frau finden konnte, die freiwillig mit ihm in die Unterwelt ging. Demeter war voller Trauer und Schmerz - überall suchte sie ihre Tochter, doch konnte sie sie nirgends finden. Sie wütete, weinte, klagte, flehte um Gnade, doch nichts half. Schliesslich wurde aus ihrer Trauer rasender Zorn und sie verfluchte alles, was fruchtbar auf der Erde war. "Stirb, stirb, stirb!" schrie sie, und von nun an wurden keine Kinder mehr geboren, kein Weizen gedieh mehr und keine Knospe öffnete sich - die Menschen und Tiere drohten zu verhungern. Die Erde selbst erstarb. Demeter sass am Brunnen und schrie den Namen ihrer Tochter hinein. Hier tritt eine weitere Göttin auf den Plan: Die Göttin Baubo. Sie ist die Göttin des Humors, des unbändigen Gelächters und der ordinären Witze. Sie reitet auf einer Sau, welche ein sehr altes Symbol fürs Gebären und die Wiedergeburt ist. Baubo ritt zu Demeter, tanzte wild, wackelte mit ihren Brüsten und erzählte ihr ein paar schmutzige Witze. Demeter wurde dadurch aus ihrer Trauer aufgeweckt und begann erstmals wieder zu lachen. Der Geschichte nach sassen beide Göttinen am Brunnen und lachten, dass ihnen die Bäuche wackelten. Sie lachten so lange, bis es Hades zuviel wurde, und so liess er Persephone wieder frei und sie kehrte zurück an die Oberfläche zu ihrer Mutter. Sie durfte zwar nicht das ganze Jahr über oben an der Erde bleiben, denn Persephone hatte bereits Nahrung von der Unterwelt (ein paar Granatapfelkerne) gegessen. Aber sie durfte immerhin zwei Drittel des Jahres bei Demeter auf der Erde verbringen. Das andere Drittel musste sie in der Unterwelt leben. Demeter erklärte sich damit einverstanden. Sie wurde wieder fröhlich und gewann ihre Lebenslust zurück und so wurden auch die Erde, die Menschen und die Tiere wieder fruchtbar und niemand musste verhungern.

Die Geschichten ähneln sich. Der suchende Mann steigt in die Unterwelt, um dem weiblichen Prinzip (Urprinzip) zu begegnen und sich darin  selbst zu erkennen. Die Zeit ist also reif und günstig für diesen Gang der Wandlung, welche bekannt ist als die Eleusinischen Mysterien. Die Eleusinischen Riten waren das berühmteste Einweihungsfest in Europa. Von überall her kamen Männer und Frauen, um daran teilzunehmen; je mehr man sich Eleusis näherte, je grösser wurde die sich anschliessende Menge, die tanzend und jauchzend den Zug der ausschliesslich männlichen Kandidaten begleitete. Erst am Ziel, vor dem imposanten Telesterion-Tempel von Eleusis, musste die Menge zurückbleiben. Nach einem reinigenden Bad versammelten sich die Kandidaten im Vorhof des Gebäudes beim Schein der Fackeln. Jeder musste von hier seinen Gang allein antreten.
Der Name stammt von der Stadt Eleusis in Attika. Als Eleusis mit Athen zu einem Staat vereinigt wurde, breitete sich diese Feier nach Athen aus und wurde einer der glänzendsten Hauptbestandteile des charakteristischen Festbrauchs der Athener.
Was diesen Festen ihre besondere Anziehungskraft verlieh, und sie am berühmtesten machte, sind die damit verbundenen Mysterien (geheimnisvollen Einweihungen), durch welche die darin Aufgenommenen zu einer geschlossenen Verbrüderung wurden. Leider haben wir über das Innerste dieser Gebräuche nicht viele Informationen, da die Eingeweihten in der Regel das ihnen unter den heiligsten Verpflichtungen auferlegte Geheimnis auf das Strengste bewahrten. Und doch gibt es Hinweise, dass sich dergleichen Einweihungen in Geheimbünden bis heute fortsetzen. Was sich bei der Initiation abspielte, können wir aus anderen Kulturen, matriarchalen, wo dergleichen Einweihungen bis heute fester Bestandteil der Lebensweise sind, herleiten. Und wer den Mythos von Demeter und Persephone in seiner Symbolkraft versteht anstatt ihn wörtlich zu nehmen, versteht auch das Wesen der eleusischen Mysterien.

Kräuter: Astern, Benzoe, Eicheln, Eichenblätter, Salbei, Disteln, Ringelblume, Getreide, Passionsblumen, Rosen, Geissblatt und Farne

Dekorationen: Herbstblätter, Zapfen, Eicheln, Nüsse, Früchte und eine kleine Figur, die den Mutteraspekt der Göttin symoblisiert

Räucherung: Salbei, Beifuss, Myrrhe und Benzoe

Farben: Braun, Orange, Dunkelrot und Indigo

Geweihte Speisen sind: Rotwein, Kürbis, Fisch, Kuchen, Gemüse, Wurzelgemüse und Gemüsesuppen