BELTANE

Walpurgisnacht, Feuer-, Frühlings-, Fruchtbarkeitsfest

Beltane 30. April 2018

Der Ursprung des Wortes an sich ist unklar: Freudenfeuer, Glücksfeuer, aber auch Feuer des Sonnengottes Belenus, sind mögliche Deutungen. In all diesen Ausdrücken kommt zum Tragen, dass es sich hierbei um ein Fest des (wiedergekehrten) Lichts und des Feuers, des Lebens- und Wärmespenders, handelt.

Beltane - oder auch Walpurgis - wird traditionell in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai gefeiert. Es ist das Fest des wiedererwachten Frühlings, an dem Sonne und Erde eine innige Verbindung eingehen - die heilige Hochzeit des Männlichen und Weiblichen.

Der Sonnengott, der in der Zwischenzeit von Jul bis Beltane zum geschlechtsreifen Jüngling herangewachsen ist, übernimmt nun wieder die Herrschaft über die Zeit. Die Mondgöttin, welche die Fruchtbarkeit symbolisiert, ist zur fruchtbaren Jungfrau herangewachsen. Mann und Frau, männlich und weiblich sind nun herangereift, um Neues zu schaffen. Die Natur bricht auf, die Sonnenkraft nährt und stärkt. Die Leichtigkeit greift um sich und die Zeit des Mangels und des Sparens ist vorbei. Nun beginnt wieder die Zeit, wo wir direkt von der Natur versorgt werden und nicht mehr auf das Eingemachte zurückgreifen müssen.

Um diese Symbolik besser verstehen zu können, müssen wir heutigen Menschen uns vor Augen führen, dass der Winter früher nicht nur eine Zeit mangelnden Lichts und kurzer Tage war, sondern auch eine Zeit der Entbehrungen, in der von den angesammelten Vorräten gelebt werden musste, denn frische Nahrung gab es nicht. So war der Winter nicht nur eine Zeit der Kälte (geheizt wurde mit Feuer, und damit musste man wegen der Brandgefahr sowohl vorsichtig als auch sparsam, wegen des begrenzten Holzvorrates, umgehen) und der Dunkelheit, sondern oftmals auch eine Zeit des Hungers und des Eingesperrt seins in die eigenen vier Wände, wenn der Frost das Land im Griff hatte, denn Erkältungen konnten tödlich sein.

Welch Wunder also, dass dem Fest des Lichts solch eine Bedeutung zukam. Zu Beltane war die Erde wieder grün, und letzte Reste des Winters sollten nun mit magischen Ritualen ausgetrieben und verbannt, dem Sommer (und der Fruchtbarkeit) zum endgültigen Durchbruch verholfen werden.

Eine wichtige Rolle spielte hierbei das Feuer. Es ist nicht nur Widerschein und kleiner Bruder der wärmenden Sonne, soll diese quasi aus ihrem Winterschlaf hervorlocken, sondern es ist auch ein Zeichen des Neubeginns, wenn alle Herdfeuer bis auf das Beltanefeuer zu Anfang des Festes gelöscht werden, das Beltanefeuer selbst dann aus neun heiligen Hölzern entfacht wird. Seine Asche wird später auf den Feldern verstreut, die neuen Herdfeuer mit den Überresten des Beltanefeuers neu entfacht. Und das Feuer spielt auch eine reinigende Rolle und soll die Fruchtbarkeit anregen. So werden die Viehherden zwischen zwei Beltanefeuern hindurch getrieben, um Krankheiten zu vermeiden und Fruchtbarkeit zu erflehen. Schwangere laufen durch die Überreste des Feuers, in der Hoffnung auf eine leichte Geburt. Paare springen gemeinsam über das Feuer, als Zeichen ihrer neu geknüpften Verbindung und Bitte um Fruchtbarkeit. Und wen verwundert es, wenn bei diesem Fest, das ja noch im „Frühling" stattfindet, aber den Beginn des Sommers markiert, auch die „Frühlingsgefühle" wilde Kapriolen schlagen, sich das eine oder andere Paar im Anschluss an die Feier in den Wald oder in die Felder begibt, um ganz eigene Fruchtbarkeits-rituale zu feiern. Zu dieser einen Zeit im Jahr ist auch das Ehegelöbnis aufgehoben, so dass die Frauen frei den Partner wählen konnten.

Denn bei allem Ritus ist Beltane vor allem ein Fest der Frauen, denn wer könnte Fruchtbarkeit eher symbolisieren als sie? Und so wird an Beltane die Vereinigung von weiblicher und männlicher Kraft gefeiert, die Vereinigung der Erde mit der Sonne, der Göttin mit dem Gott - alles mit dem Ziel, neue Fruchtbarkeit heraufzubeschwören, neues Leben, neue Vielfalt, das Rad voranzutreiben.

Und es ist ein Fest der Farben nach dem tristen grauen Winter, ein buntes Fest, dessen mannigfaltige Farbgebung auch symbolisch zu nehmen ist, in der uralten Farbenlehre und ihrer Auslegung begründet. Auch der Brauch des Tanzes um den Maibaum gehört in diese Kategorie; ist der Maibaum an sich doch sowohl unübersehbares phallisches Symbol, als auch der Tanz, mit dem die bunten Bänder um ihn herum gewoben werden, sowohl Werbung der Geschlechter, als auch magische Verknüpfung der drei Welten (Himmel, Erde, Anderswelt), die durch den Maibaum (auch) symbolisiert werden und nun fest in das Gefüge des Lebens selbst eingewoben werden sollen.

Jeder kennt die Sage, dass an Beltane die Hexen auf ihrem Besen um den Blocksberg kreisen. Die alten Göttinnen hatten laut Sage immer ein Gefährt, mit dem sie reisten, sei es die Wildsau der Freya, der Wolf der Hyndla, die schwarzen Rosse der Walküren oder die

Hexenritte auf dem Bären in Schweden. Dies ist unabhängig von der Region und Religion des Landes. Und die Hexen in unseren Breitengraden, Abkömmlinge der grossen Muttergöttin, reisen auf ihrem Besen. In Gefolge der reitenden Frauengestalten findet sich ein wilder Reigen von Elfen, Menschenfrauen und Geistern, angezogen von der wiedererwachten Lebensfreude. In allen Überlieferungen werden diese Frauen als wild und kraftvoll wiedergegeben - die Ur-Frau, die ihre Kraft und Gefühle lebt, die Ur-Frau, die sich ihren Mann auserwählt.

Mit Beginn der Christianisierung wurde der "heidnische Hokuspokus" zu Treffen finsterer Mächte umgedeutet und die Hagazussen wurden als "Hexen", als weibliche Verkörperung des Bösen, die mit dem Teufel im Bunde waren, diffamiert. So wurde in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai weiter um das Feuer getanzt - jetzt allerdings zur Abwehr der Hexen. Die Menschen zogen weiter lärmend durch die Strassen. Nicht mehr, um den Frühling zu begrüssen, sondern um Geisterwesen zu verscheuchen. Zum Schutz vor den Hexen wurden weisse Kreuze an Häuser und Stallungen gemalt oder geweihtes Salz auf die Türschwellen gestreut. Die Besen wurden in dieser Nacht mit dem Reisig nach oben aufgestellt. Mancherorts war es üblich, dass die jungen Männer mit Peitschen knallend durch die Strassen zogen.

  • Kräuter: Angelika, Efeu, Esche, Flieder, Gänseblümchen, Mandel, Ringelblume, Sumpfdotterblume, Waldmeister und Gänsefingerkraut.
  • Räucherwerk: Flieder, Rose und Weihrauch.
  • Dekoration: Maibaum, eine kleine Kerze in Phallusform, eine Kette aus Gänseblümchen, Ringelblumen oder Schlüsselblumen.
  • Farben: Dunkelgrün.